Montag, 24. Juli 2017

Montagsfrage 98

Eine wöchentliche Aktion von Buchfresserchen

Welche Erfahrungen habt ihr mit Gay Romance gemacht? Was reizt euch daran, was stößt euch ab? Habt ihr Lesetipps?

 Oh - das ist doch mal eine interessante Frage. 
Ja, ich habe, auch aus privaten Gründen, damit Erfahrungen gemacht. Ich habe diverese Gay Romance Stories gelesen - und was soll ich sagen? 
Ich fands furchtbar - ständig werden die Männer (lesbische Frauen tauchen dort kaum bis gar nicht auf) auf Sex und zum Teil auch Gewalt reduziert, ihre Sprache ist obszön und vulgär und wenn ich auch bestimmt nicht prüde bin, war mir das zuviel des Guten. Wer kann das denn noch gut finden? Auf jeder dritten/ vierten Seite gehts immer wieder um Sex oder Befriedungsspielchen. Richtige Dialoge und Handlungen finden eher selten statt, einen vernünftigen Plot ist dort in der Regel nicht vorhanden. Vielleicht findet das der ein oder andere antörnend (oder was weiß denn ich?), mir ist das einfach nur unecht, unauthentisch und fordert mich gedanklich nicht genug.  Und ganz ehrlich - immer nur davon zu lesen, 'wie der pulsierende Schaft im dargebotenen Anus des anderen versenkt wird' wird auf Dauer echt langweilig.
Homosexuelle Liebe unterscheidet sich, so wie ich sie kennen lernen durfte, in nur einem Punkt von der Heterosexuellen Liebe - und das ist, dass sich eben zwei Männer oder zwei Frauen statt Mann und Frau lieben. Warum das ganze dann in Gay Romance nur auf eines, nämlich Sex, Sex und Sex, reduziert wird? Überhaupt ist Romace vielleicht das falsche Wort für diese Kategorie. 

Literatur über Homosexualität find ich allerdings nicht schlimm - es gibt sogar richtig Gute. Allerdings gestehe ich, dass ich mich hier noch nicht so gut auskenne und mir noch viel anlesen muss. (Will & Will von David Levithan fand ich allerdings nicht so gut.)

Und du so?


PS: Nur für den Fall, dass es für manche falsch rüber kommt: Ich habe auf gar keinen Fall etwas gegen Sex in Büchern, egal ob homo-, hetero- oder sonstwas-sexuell. Ich hab nur was dagegen, wenn 80% des Buches aus Sex und ähnlichen Handlungen besteht - kann ich mir auch gleich nen Porno angucken!

Donnerstag, 20. Juli 2017

Rezension: 'Freud ist an allem schuld' von Paolo Genovese

Paolo Genovese - Freud ist an allem schuld
Roman // btb
318 Seiten // 9,99€



"Die am weitesten verbreitete Krankheit ist die Liebe."

Sagt ein Mann, der es wissen muss: Francesco, alleinerziehender Vater von drei Töchtern, ist Paartherapeut. Gefühlschaos ist also an der Tagesordnung. Sorgen bereitet ihm vor allem Tochter Emma - noch Schülerin, aber liiert mit einem 50-jährigen verheirateten Architekten. Francescos verzweifelter Plan: Die Ehe des Architekten wieder kitten. Doch leider durchkreuzt genau das seine eigenen Liebespläne...

Die Liebe in all ihren Neurosen: eine sommerleichte Komödie aus Italien.




... So war's ...


Hach, das war mal ein absolut gelungener Roman.  Paolo Genovese hat mit diesem (Liebes-)Roman tatsächlich eine sommerleichte Komödie geschaffen.
 Gleich von Beginn an hat mich Herr Genovese in seinen Bann gezogen, mit seiner flüssigen und sehr erzählerischen Art zu Schreiben. Abwechselnd erzählt aus der Sicht der drei Töchter und des Vaters und trifft dabei jedes Mal einen etwas anderen Ton, dass hat mir äußerst gut gefallen. Mitunter daran konnte man schon die Charaktere der Protagonisten ausmachen.

Ich empfand diese Geschichte in der Tat als sommerleicht, aber nicht platt und wirklich unvorhersehbar. Wieder Pluspunkte gewonnen.
Genovese behandelt in der Geschichte mehrere Punkte, unter anderem Homosexualität, wobei mir dieser Punkt etwas zu knapp und stiefmütterlich behandelt ausfiel - um ehrlich zu sein, die Geschichte um die lesbische Sara war eigentlich der Punkt, der mir am meisten aufstieß. Wäre dieser Handlungsstrang ein bisschen mit mehr Authentizität dargestellt worden, wäre das Buch ein absoluter Glückstreffer. So ist es zwar immernoch sehr gut, aber eben nicht mehr. Hierbei hat mich gestört, dass Sara beschließt von heute auf morgen hetero zu werden. Okay, ob das jetzt wirklich so auftritt, kann ich nicht nachvollziehen, zumindest hatte ich als Hetero noch nicht das Bedürfnis, jetzt homosexuell zu werden, nur weil meine heterosexuellen Beziehungen nicht funktionieren (und nein, das ist überhaupt nicht im negativen Sinne gemeint).
Klar, dass es dann auch mit den Männern nicht funktioniert - Hete sein entspricht eben nicht ihrer Natur, dafür braucht sie keinen Ausflug in die Heterosexualität machen. Liebe liegt nicht im Geschlecht des Menschen, sondern im Herzen.

 Ansonsten empfand ich das Buch als gut gelungen. Toll gezeichnet fand ich, wie Francesco als alleinerziehender Vater agiert und von seinen Töchtern über alles geliebt wird und diese genauso heftig zurückliebt. Nachvollziehbar fand ich deswegen auch seine Handlungen, als er seine Liebe zurückstellt, um seiner Tochter etwas Gutes zu tun. Ob das jetzt richtig war oder nicht, sei dahingestellt, letztendlich sind auch Eltern nicht perfekt und immernoch lernfähig. Das ist meiner Meinung nach auch völlig okay.

Nicht zu vergessen: die Storylines um Emma mit ihrer Liebe zum viel älteren Freund und um Marta, die sich in einen gehörlosen Libretto-Dieb verliebt fand ich toll, gerade Emma konnte ich (aus eigener Erfahrung) gut verstehen, wenngleich ich nicht ganz so blind war.

Also, bis auf den Knackpunkt um Sara fand ich das Buch absolut gut gelungen und habe es auch schnell und rasch ausgelesen. Paolo Genovese tritt an ernste Themen heran, dies aber so leicht und auch mit Humor, dass der Ernst seinen Schrecken verliert. So läuft das Leben, manchmal muss man es in die Hand nehmen und manchmal läuft alles von allein - diese Message hab ich mitgenommen.

Dienstag, 18. Juli 2017

Rezension: 'Murder Park' von Jonas Winner

Jonas Winner - Murder Park
Thriller // Heyne<
414 Seiten // 12,99 €
* Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Heyne-Verlag zur Verfügung gestellt - vielen Dank dafür!



Willkommen im Murder Park
Zodiac Island vor der Ostküste der USA ist ein beliebter Freizeitpark - bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park - eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Dann beginnen die Morde. Ein Killer ist auf der Insel... keiner kann dem anderen trauen... die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen...





... So war's ...

Ich habe in einer Rezension gelesen, dass man dieses Buch entweder liebt oder hasst. Mit dieser Erwartung ging ich wohl auch an dieses Buch hin.
Nach dem Lesen blieb ich erst mal überfordert zurück - es war ganz und gar nicht das, was ich erwartet hatte. Aber es war, und das muss ich leider auch schon gleich sagen, nicht besser als das, was ich erwartet hatte.
Ich habe ziemlich lange für das Lesen dieses Buches gebraucht und habe auch zwischendurch ein anderes Buch gelesen. Schuld daran war zum einen meine eigene Fantasie, die sich wohl an diesem Buch aufgeilte und mir merkwürdige Träume und hin und wieder Schlaflosigkeit schenkte, aber andererseits auch eine gewisse Langeweile, die mich zwang, etwas anderes zu lesen.
Hr. Winner hat irgendwie fesselnde Art zu schreiben und doch fehlt ihm was. Vielleicht lag es auch am Plot, der schon bei der ersten Zusammenkunft der Protagonisten auf dem Boot eine sehr unrealistische Note bekam und mich abstieß - nicht fasziniert abstieß, sondern eher: 'Wie kommt man den auf sowas?' abstieß.
Und das ging so weiter - einer nach dem anderen kam ums Leben, man hatte kaum einen Mord verdaut, lag da schon die nächste Leiche vor einem - bei 11 Personen in knapp 3 Tagen könnt ihr Euch vorstellen, wie es da zuging.
Ich empfand das als too much. Und obwohl Herr Winner die Leute wie die Fliegen sterben lies und auch hin und wieder die neue Einrichtung (nämlich Rekonstruktionen der Tatorte der vor 20 Jahren ermordeten Frauen) mystisch beschrieb und auch eine Gestalt mit Baby-Maske und glühenden Augen auftauchte, kam für mich hier nicht so richtig Spannung auf (trotz meiner Albträume). Der Wille des Autors war definitiv da und am Anfang war es auch noch etwas unterhaltsam und rätselhaft und auch etwas spannend, aber vor lauter Morden hat man irgendwann den Überblick verloren und ist vielleicht auch ein bisschen abgestumpft - manchmal ist weniger eben doch mehr.
Immer wieder wird auch Bezug auf Charaktere genommen, in dem zwischen den Kapiteln immer wieder Interview-Auszüge zu finden sind, die vom Psychiater mit den jeweiligen Personen geführt werden.
Hier werden hin und wieder falsche Spuren vom Autor gelegt und man ist hin und her gerissen, ob jetzt einer der vorhandenen Personen der Mörder ist oder ob doch noch eine zusätzliche Person sein Unwesen auf dieser Insel treibt. Letztendlich gibt das alles aber keinen Hinweis darauf, wie das Ende abläuft.
Tatsächlich bin ich auch über das Ende sehr zwiegespalten.
Einerseits wurde mir ein paar Seiten vor Schluss (und noch bevor man eine Ahnung bekommen kann, was da eigentlich lief) mit einem Schlag klar, was hier läuft und da war ich dann doch sehr auf die Reaktion des Hauptprotagonisten gespannt. Und andererseits bin ich über das, was dann alles noch kam, doch recht enttäuscht - es war meiner Meinung nach zuviel, ja direkt unnötig und auch total unauthentisch. Wäre ich in dieser Situation gewesen, ich wäre saumäßig wütend gewesen - und nicht später noch fröhlich mit der neuen Tussi mit dem Boot weggefahren.

Meine Rezension ist vielleicht hier und da ein wenig kryptisch, aber es ist sehr schwer, dieses Buch zu beurteilen, ohne zu spoilern. Und Spoilern ist hier wirklich nicht drin, sonst ist das meiner Meinung nach eh schon schwächliche Buch endgültig dahin.

Vielleicht hatte ich eine zu hohe Erwartung und vielleicht hab ich mir zu viel unter 'Murder Park' vorgestellt und vielleicht lag es auch daran, dass ich schon selbst über eigene Ideen zu einem Thriller in einem Vergnügungspark nachgedacht hatte - egal, woran es lag: Ich wurde schon recht enttäuscht zurück gelassen. Herr Winner hatte ein paar gute Ansätze und ich will ihm auch nicht absprechen, dass er schreiben kann - leider finde ich 'Murder Park' einfach nicht gelungen. Die Idee find ich, wenn ich im Nachhinein drüber nachdenke eigentlich nicht schlecht, aber vielleicht hätte man dann nicht so sehr auf den 'Murder Park' pochen sollen und man hätte vielleicht noch mehr Bezug auf die Reaktionen des Hauptprotagonisten nehmen sollen.
So wirkt es für mich ein bisschen zusammen gewürfelt.