Donnerstag, 20. Juli 2017

Rezension: 'Freud ist an allem schuld' von Paolo Genovese

Paolo Genovese - Freud ist an allem schuld
Roman // btb
318 Seiten // 9,99€



"Die am weitesten verbreitete Krankheit ist die Liebe."

Sagt ein Mann, der es wissen muss: Francesco, alleinerziehender Vater von drei Töchtern, ist Paartherapeut. Gefühlschaos ist also an der Tagesordnung. Sorgen bereitet ihm vor allem Tochter Emma - noch Schülerin, aber liiert mit einem 50-jährigen verheirateten Architekten. Francescos verzweifelter Plan: Die Ehe des Architekten wieder kitten. Doch leider durchkreuzt genau das seine eigenen Liebespläne...

Die Liebe in all ihren Neurosen: eine sommerleichte Komödie aus Italien.




... So war's ...


Hach, das war mal ein absolut gelungener Roman.  Paolo Genovese hat mit diesem (Liebes-)Roman tatsächlich eine sommerleichte Komödie geschaffen.
 Gleich von Beginn an hat mich Herr Genovese in seinen Bann gezogen, mit seiner flüssigen und sehr erzählerischen Art zu Schreiben. Abwechselnd erzählt aus der Sicht der drei Töchter und des Vaters und trifft dabei jedes Mal einen etwas anderen Ton, dass hat mir äußerst gut gefallen. Mitunter daran konnte man schon die Charaktere der Protagonisten ausmachen.

Ich empfand diese Geschichte in der Tat als sommerleicht, aber nicht platt und wirklich unvorhersehbar. Wieder Pluspunkte gewonnen.
Genovese behandelt in der Geschichte mehrere Punkte, unter anderem Homosexualität, wobei mir dieser Punkt etwas zu knapp und stiefmütterlich behandelt ausfiel - um ehrlich zu sein, die Geschichte um die lesbische Sara war eigentlich der Punkt, der mir am meisten aufstieß. Wäre dieser Handlungsstrang ein bisschen mit mehr Authentizität dargestellt worden, wäre das Buch ein absoluter Glückstreffer. So ist es zwar immernoch sehr gut, aber eben nicht mehr. Hierbei hat mich gestört, dass Sara beschließt von heute auf morgen hetero zu werden. Okay, ob das jetzt wirklich so auftritt, kann ich nicht nachvollziehen, zumindest hatte ich als Hetero noch nicht das Bedürfnis, jetzt homosexuell zu werden, nur weil meine heterosexuellen Beziehungen nicht funktionieren (und nein, das ist überhaupt nicht im negativen Sinne gemeint).
Klar, dass es dann auch mit den Männern nicht funktioniert - Hete sein entspricht eben nicht ihrer Natur, dafür braucht sie keinen Ausflug in die Heterosexualität machen. Liebe liegt nicht im Geschlecht des Menschen, sondern im Herzen.

 Ansonsten empfand ich das Buch als gut gelungen. Toll gezeichnet fand ich, wie Francesco als alleinerziehender Vater agiert und von seinen Töchtern über alles geliebt wird und diese genauso heftig zurückliebt. Nachvollziehbar fand ich deswegen auch seine Handlungen, als er seine Liebe zurückstellt, um seiner Tochter etwas Gutes zu tun. Ob das jetzt richtig war oder nicht, sei dahingestellt, letztendlich sind auch Eltern nicht perfekt und immernoch lernfähig. Das ist meiner Meinung nach auch völlig okay.

Nicht zu vergessen: die Storylines um Emma mit ihrer Liebe zum viel älteren Freund und um Marta, die sich in einen gehörlosen Libretto-Dieb verliebt fand ich toll, gerade Emma konnte ich (aus eigener Erfahrung) gut verstehen, wenngleich ich nicht ganz so blind war.

Also, bis auf den Knackpunkt um Sara fand ich das Buch absolut gut gelungen und habe es auch schnell und rasch ausgelesen. Paolo Genovese tritt an ernste Themen heran, dies aber so leicht und auch mit Humor, dass der Ernst seinen Schrecken verliert. So läuft das Leben, manchmal muss man es in die Hand nehmen und manchmal läuft alles von allein - diese Message hab ich mitgenommen.

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